Karten Wucher

Konzertkarten gehen immer schnell weg, wenn ein Künstler oder eine Band besonders bekannt oder beliebt ist. Dann weiß jeder, dass er sich bei Vorverkaufsstart beeilen muss, um noch eine Karte zu ergattern. Doch mittlerweile werden auch unbekanntere Künstler ungewollt zu Profitgebern für Wiederverkäufer.

Dass die Ärzte bekannt und beliebt sind verstehe ich. Und auch, dass die Karten schnell weg sind, ist mir klar. Aber wo landen die Karten denn im ersten Schritt? Wie es scheint nicht bei den Fans, die auch das Konzert besuchen. Es landen z.B. acht Karten (2×2;1×4 Karten) bei ebay. Von einem Anbieter wohlgemerkt. Dieser verkauft sie natürlich zum mindestens doppelten Preis. Es soll sich ja schließlich für ihn lohnen. Denn die Versandkosten, die er gezahlt hat muss er ja auch wieder reinbekommen. NICHT! Und es tut mir auch echt Leid, dass so viele seiner Freunde abgesprungen sind. NICHT!

Ich war und bin echt wütend über so eine Geldmache und Abzocke, dass ich offizell wissen wollte, ob das denn legal ist. Denn ich konnte mich dran erinnern, dass auf den Karten so etwas steht wie

Weiterverkauf nur zu dem aufgedruckten Preis

Aber das scheint wohl entweder nicht mehr der Fall zu sein, oder man das rechtlich so weit biegen, dass man nicht mehr belangt werden kann. Denn auch eine Anfrage beim Ticketshop eventim.de brachte mir eine doch sehr unbefriedigende Antwort:

Sehr geehrter Herr Schulz,

vielen Dank für Ihre E-Mail.

Tickets sind nach deutschem Recht Inhaberwertpapiere, für die es ein freies Kauf- und Verkaufsrecht gibt. Es gibt daher keine Handhabe für uns gegen Ticketverkäufe (wie z.B. bei ebay oder bei anderen Anbietern) vorzugehen – bzw. gegen Kunden, die Karten vor dem Hintergrund kaufen, diese wieder weiterzuverkaufen.

Auch auf die Preisgestaltung bei anderen Anbietern haben wir natürlich keinen Einfluss. Es empfiehlt sich daher immer, sich vorab über die Preise zu erkundigen, bevor man bei Wiederverkäufern Tickets zu unter Umständen sehr überhöhten Preisen erwirbt.

Wir bedauern, Ihnen keine andere Nachricht geben zu können.

Wir, die Fans, müssen also damit leben, dass es in Zeiten des Internets und der schnellen Beschaffung von Konzertkarten, normal wird, 200% der Preise zu zahlen, um uns Konzerte anzusehen. Gerade jetzt erst hatte ich wieder einen Fall. Diesmal das Konzert von Lindsey Stirling, einer Teilnehmerin von America Got Talent und YouTube-Größe, die der normalen, deutschen Bevölkerung nicht nicht so bekannt sein dürfte. Am 1.3.2013 um 9 Uhr ging der Vorverkauf der Karten los. Jetzt 17.04.2013 sind die Karten für das Konzert am 13.06.2013 im E-Werk bereits weg. Ok, das E-Werk ist jetzt nicht besonders groß, aber früher habe ich immer noch gut Karten bekommen. Wie z.B. Flogging Molly.

(http://manuel.schulzban.de/content/images/2013/04/striling-normalpreis1.png; Lindsey Stirling im E-Werk ausverkauft. Normalpreis war etwa 30€.)

Der Normalpreis der Karten liegt also bei etwa 30€. Für so kleine Locations an sich schon grenzwertig, wenn man überlegt, dass Die Ärzte im doppelt so großen Palladium nur 23,50€ für die Karte verlangt haben. Aber auch die 30€ hätte ich gerne für ein nettes Konzert der Violinenspielerin ausgegeben. Doch da war ich wohl zu spät. Erst habe ich mich wieder geärgert, dass ich keine Karte bekommen habe. Dann habe ich mich für Lindsey Stirling gefreut, dass sie in Deutschland doch so viele Fans hat. Doch als ich dann auf die Wiederverkaufsplattform viagogo.de hingewiesen wurde, fiel mir wieder alles aus dem Gesicht. Die günstigste Karte kostet dort 56,88€, also fast doppelt so viel wie eine reguläre Karte.

(http://manuel.schulzban.de/content/images/2013/04/striling-ewerk-teuer1.png; viagogo Kartenverkauf)

Was mich dann wieder auf die Palme bringt, ist die Tatsache, dass wieder zwei Verkäufer jeweils acht Karten anbieten. Das ist eine große, miese Masche, die man Fans einfach nicht zumuten sollte. Hier müsste das deutsche Recht etwas angepasst werden. Preisdeckelung bei “Wertpapieren” wie Konzerttickets auf maximal 120%, oder die Personalisierung von Karten und eine Mengenbegrenzung. Es ist nicht nötig Karten für acht Leute zu ordern. Das können sich auch zwei Leute teilen, welche dann vier Tickets bekommen dürfen.